Fotospaziergang durch die älteste Stadt Deutschlands!

Wieder einmal führte mich mein Job durch die schöne Eifel nach Trier - diesmal mit Hotelübernachtung und somit einem kompletten Nachmittag Zeit für einen Fotospaziergang auf den Spuren der alten Römer!

 

Zwar lasse ich mich gern auch mal einfach treiben beim Fotografieren und schaue, was mir an Motiven begegnet. Aber wenn an einem Ort nur einige Stunden zur Verfügung stehen, vergeht oft zu viel Zeit mit Orientieren und Herumlaufen und die "Fotoausbeute" bleibt sehr beliebig und vom Zufall abhängig. Darum recherchierte ich ein wenig im Netz und in einem Reiseführer.

 

Ich entschied mich schließlich, mir auf jeden Fall den Dom mit seinem sehenswerten Kreuzgang anzusehen, evtl. die römischen Thermen und den Handwerkerbrunnen (hatte ich doch gesehen, dass dort auch ein Fotograf verewigt ist! :-D ). Und da klar war, dass die Gassen der Altstadt und die Porta Nigra tagsüber kaum ohne Touristenmassen zu fotografieren wären und die wunderbaren alten Fassaden und die Porta sicherlich zur blauen Stunde ein schönes Motiv abgeben würden, kam das Stativ auf jeden Fall mit in den Reiserucksack. Jetzt musste nur noch das Wetter halbwegs mitspielen. Zwar haben auch Regenaufnahmen durchaus ihren Reiz. Aber ohne einen kompletten Satz trockener Kleidung und mit begrenzten Möglichkeiten, sich im Hotel später wirklich aufzuwärmen macht so ein Fotospazergang doch mehr Spaß im Trockenen...

 

Ankunft in Trier am späten Vormittag. Schnell ins Hotel eingecheckt, Handy geladen und ein wenig frisch gemacht. Auf zu den alten Römern!

 

Erste Station (nun gut, nicht römisch...;-)) Das kurfürstliche Palais mit seinem Rokoko-Garten und den Tietz-Figuren (Ferdinand Tiez war einer der bedeutensten Bildhauer des Rokoko, er lebte von 1707 - 1777) Die Figuren im Park sind allerdings Nachbildungen, die Originale stehen im Städtischen Museum Simeonstift).

 

Mich haben die Figuren irgendwie sehr berührt und angesprochen: sehr "lebendig", gleichzeitig entrückt und in ihrer eigenen Welt. Fast scheinen sie zu träumen von der Zeit, als sie geschaffen wurden...

 

Ein Blick in Google Maps - die Kaiserthermen sind direkt "um die Ecke". Aber: Zum einen stelle ich fest, dass es anscheinend verteilt übers Stadtgebiet mehrere Thermen gibt, für die dann auch der - huch, Überraschung! - Eintritt gilt. Ich entscheide, dass es zu schade ist, sich für diesen Eintritt dann heute nur die Kaiserthermen anzuschauen. Aufgehoben ist ja nicht aufgeschoben (ok...5 Euro ins Phrasenschweinchen...;-)) Also auf in die Altstadt Richtung Dom!

 

Es sind nicht nur vereinzelt schöne Gebäude, die den Charme Triers ausmachen - man entdeckt überall kleine, liebevoll gestaltete Details an Häusern, in Gärten, an Straßenecken:

Am Hauptmarkt noch einmal um eine Ecke, dann steht er dort - der Dom von Trier - "imposant" ist sicher das erste, was einem dazu einfällt! Und als Fotograf wünscht man sich für einen Moment ein Ultra-Weitwinkel herbei, um das Gebäude komplett auf den Sensor zu bekommen! Später bietet sich vom Kreuzgang aus ein noch besserer Blick auf den verwinkelten Komplex.

Das Modell mit seinem großen Vorbild!

Ein Detail der alten Mauern.

Das innere des Doms ist überwältigend schön gestaltet - nicht protzig, sondern recht schlicht, aber voller Ästhetik! Auch eine Augenweide voller Motive für einen Fotografen!

Ich muss mich irgendwann vom Innenraum des Doms losreißen - man würde noch Motive für den halben Abend finden! Aber der Kreuzgang lockt, solange es noch Tageslicht gibt!

 

Der Blick auf den riesigen Domkomplex ist beeindruckend!

Aber auch der Kreuzgang selbst ist ein Kunstwerk des Bauens!

Draußen vor dem Dom treffen zwei Epochen der Geschichte aufeinander: Mittelalter und dunkles Kapitel der Neuzeit: Die sechs Steelen wurden 2012 als Mahnmal für die im Nationalsozialismus deportierten und ermordeten 500.000 Sinti und Roma errichtet.

Auf dem Weg zurück zum Marktplatz und zur Porta komme ich auch am Trierer "Bilderhaus" des Künstlers Werner Persy vorbei. Die Kohlenhändlerfamilie Laeis beauftragte Persy, nachdem ihr Haus bei einem Bombenangriff 1944 komplett zerstört wurde, das wiedererrichtete Gebäude mit Bildern der in Trier bedeutsamen Karfreitagsprozession zu schmücken. 

Auf dem Weg zum Markt fällt mir ein, dass ich mir ja noch den Handwerkerbrunnen anschauen wollte - fast vergessen! Zum Glück ist es nicht weit, und Google Maps weist sicher den Weg.

 

Und da ist er - der Zunftkollege! :-)

Aber auch die Maler sind vertreten....

Und die Musiker!

Nach all der Schauerei und Fotografiererei ist eine Pause fällig und ich gönne mir einen Kaffee im Café Weimer, einem der zahlreichen Cafés der Altstadt.

 

Nun aber los für die Aufnahmen zur blauen Stunde - die Sonne hat sich vor 20 Minuten vom Tag verabschiedet! Es ist noch einiges los auf dem zentralen Platz der Stadt, aber dank der Langzeitbelichtung von 6 Sekunden, die Kamera natürlich sicher auf dem Stativ befestigt, verschwinden die Personen wie von Geisterhand aus dem Bild oder sind allenfalls noch als Schatten zu erkennen! Immer wieder irgendwie ein bisschen magisch!

Als Highlight winkt als letztes Motiv dieser Fototour nun die Porta Nigra. Langsam merke ich, wieviel ich heute bereits gelaufen bin und ungemütlich kalt wird es allmählich auch. Aber auf die Aufnahmen des altehrwürdigen Gebäudes freue mich sehr und halte nach dem schönsten Blickwinkel Ausschau. Gar nicht so einfach - vor allem, da Trier noch Ende Januar in voller Weihnachtsbeleuchtung erstrahlt!!! Aber schließlich finde ich doch zwei Standpunkte, die sich für Nachtfotos eignen.

 

Die Porta ist - so weiß man seit 2018 sicher - 1850 Jahre alt! Unglaublich, was dieses Gebäude alles gesehen hat! Aber es hat selbst auch eine bewegte Geschichte hinter sich. Repräsentativer Bau der Römer ( wenn man vor dem Bauwerk steht fällt es einem irgendwie nicht schwer, sich vorzustellen, dass gleich ein Römer aus dem Fenster guckt :-) ), im Mittelalter Zuhause eines Einsiedlers. In Folge der Heiligsprechung desselben wurde die Porta sogar zeitweise zu einer Kirche umgebaut! Napoleon ließ schließlich alles wieder zurückbauen. Nur die Apsis an der einen Seite erinnert noch an den Sakralbau. Ach ja, ein Antikenmuseum beherbergte das Gebäude zwischenzeitlich auch noch...

So sieht es im übrigen aus, wenn einem bei der Langzeitbelichtung ein Bus in die Quere kommt bzw. durchs Bild rauscht...;-P

Die alte Dame noch mal in ihrer ganzen würdigen Schönheit.

Ein schöner Fototag geht zu Ende!

 

Ich hoffe, ihr seid bei der nächsten Fototour wieder dabei! :-)