Fotowochenende Sylt

Es gibt in meinem Job Touren, die sind sehr begehrt, und dementsprechendes Glück muß man haben, eine solche zu bekommen. Diesmal hatte ich tatsächlich den Joker gezogen: Köln - Westerland! Ich konnte eine Übernachtung auf der Insel einrichten, so daß mir ein kompletter Nachmittag und der nächste halbe Tag zur Verfügung stehen würde! Mir kam zugute, dass ein Familientreffen ins Wasser fiel, so blieb etwas mehr Zeit!

Also Zelt und Schlafsack gepackt und auf nach Sylt! Jetzt musste nur noch das Wetter mitspielen. Aber für schlechtes Wetter hatte ich mir bereits vorgenommen, dann bei hoffentlich etwas dramatischen Wolken Schwarz-Weiss-Fotos zu machen. Ich sollte dann jedoch wettermäßig riesiges Glück haben und die Insel in schönstem Licht erleben! Doch zunächst hieß es planen! Da meine Zeit begrenzt war, wollte ich genau wissen, wohin ich wollte und was ich mir anschauen will. Also Reiseführer besorgt, Fotoseiten studiert, Sonnenstände geprüft, Busverbindungen herausgesucht, Campingplatz gebucht.

Am Samstag Morgen ging es dann bereits um 2:45 Uhr nach Köln, Start der Fahrt nach Westerland um 5:09 Uhr! Noch einmal bibbern, ob die Fahrt nicht ausfällt, aber alles lief wie am Schnürchen!

Schönen Aussichtplatz mitten im Dünental des Platzes gesucht, Zelt aufgebaut....

 

...und nach einem ersten Gang über den schönen Holzsteg durch die Dünen einen ersten Blick auf den wunderbaren südlichen Strand von Westerland geworfen! Das Wetter war zwar noch bedeckt und regnerisch, aber der Ausblick auf den weiten Strand und die rauschende Brandung war dennoch beeindruckend! Der Wind pfiff mir ordentlich um die Nase!

 

Noch hielten sich die dicken Cumulus-Wolken am Himmel, aber der Blick auf's Regenradar versprach ein Aufklaren kurz vor Sonnenuntergang! Also ab in den nächsten Bus Richtung Kampen und Rotes Kliff, denn da sollte der Sonnenuntergang besonders beeindruckend sein, wenn die roten Felsen von der untergehenden Sonne angestrahlt werden. Und es war kaum zu glauben: Pünktlich auf dem Weg hinunter zum Strand Richtung Leuchtturm Quermarkenfeuer Kampen riß der Himmel auf und die Sonne kam durch!

 

Eine Landschaft wie gemalt!

Dann rauf auf die Aussichtplattform - und mir verschlug es vor Schönheit fast die Sprache!!!! Was für ein Ausblick und was für ein Licht!!! Ich stand da und konnte nur schauen und staunen!

 

Und die untergehenden Sonne tauchte alles von Minute zu Minute mehr in ein wirklich goldfarbenes Licht und ließ die roten Felsen des Kliffs strahlend aufleuchten!

Aber auch die Farben nach Sonnenuntergang waren noch zauberhaft!

Am nächsten Tag wurde ich schon recht früh wach. Ich hatte mir vorgenommen, bei regenfreiem Wetter einige Langzeitbelichtungen am Strand zu machen. Zunächst wollte ich am Strand ein paar Nachtaufnahmen machen. Aber auf dem Weg über den unbeleuchteten Dünensteg war es mir dann doch ein wenig ZU düster... Also wartete ich noch ein wenig auf den Stufen des Campingplatzrestaurants auf die Morgendämmerung und genoß die frische Nachtluft und das Rauschen des Meeres von der anderen Seite der Dünen.

Als es ein wenig heller wurde, machte ich mich ein zweites Mal auf zum Meer. Am Tag zuvor waren mir bereits einige schöne Holzbuhnen aufgefallen - dort wollte ich für meine Langzeitbelichtungen hin! Das Meer brandete noch heftiger als am Tag zuvor und ich mußte gebührlichen Abstand halten, um keine nassen Füße zu bekommen bei einigen frechen Wellen, die sich weit an den Strand wagten!

Die Ergebnisse wurden dann zwar etwas anders als gedacht (dies waren meine ersten Versuche mit Langzeitbelichtungen), aber mir gefiel die mystische Stimmung der Bilder!

Auf dem Rückweg, als es langsam hell wurde, fiel mir dieser kleine Strandkorb auf, der mutig den Unwetterwolken und der Nordsee zu trotzen schien. Irgendwie rührte mich dieses Bild an...

Als ich mich dann nach längerer Zeit umdrehte, sah ich über den Dünen schon den Schein eines Sonnenaufgangs. Ich beeilte mich, wieder auf den Steg zu kommen und ich konnte ein "Wow!" nicht unterdrücken! Die Sonne kam gerade über den Horizont!

Als ich wieder unten bei den Campingwagen angekommen war, schien der gesamte Horizont zu glühen!

Für 10 Minuten tauchte die Sonne die mit Heide bewachsenen Dünen und den Holzzaun in goldenes Licht! Und dann war der Spuk innerhalb kurzer Zeit wieder vorbei, als die Sonne hinter den Regenwolken verschwand.

Nach einem stärkenden Frühstück wollte ich noch zum Lister Ellenbogen, um mir die Dünen und den Leuchtturm List West anzuschauen am nördlichsten Punkt Deutschlands.

Der Busverkehr auf Sylt ist wirklich vorbildlich - man braucht nie länger als 20 Minuten zu warten und das Umsteigen am ZOB Westerland klappt prima!

Die Fahrt ging über Wenningstedt und Kampen an der Ostküste und am Wattenmeer entlang Richtung Lister Hafen, wo ich nochmals umsteigen mußte, um zum Weststrand zu kommen. Je weiter wir nach Norden kamen, desto mehr staunte ich ein weiteres Mal: Östlich tauchten die ersten Dünen auf, hügelhoch und bewachsen mit grüner, roter und orangefarbener Heide, dazwischen weißer Sand! Sylt glich zunehmend fast einer skurrilen Mondlandschaft aus einer anderen Welt! So vielfältig hätte ich mir die Insel nie vorgestellt! Zudem wechselt das Wetter ständig - zwischen den dicken Regenwolken schaut immer mal wieder die Sonne heraus.

Am Lister Hafen schließlich kam ich mir dann für einen Moment vor, als würde ich irgendwo auf Spitzbergen stehen! Ordentlicher Wind, kaum Menschen unterwegs, bunte Holzhäuser und im Hafen schaukelnde Schiffe...Leider mußte ich mit meinen Fotos hier ein bisschen sparsam sein, da ich den Akku zwischendurch nicht hatte aufladen können und noch eine Reserve für den Leuchtturm haben wollte.

Auf zur letzten Etappe zum Lister Ellenbogen!

Am Ziel erst mal hinauf auf auf den Ellenbogenberg, wieder über die schönen Holzstege....ordentlich was zu klettern!

Die Mühe lohnt sich! Der Blick geht bis nach Dänemark hinüber.

Von weitem sieht man schon den Leuchtturm List West. Die letzte Station meines kurzen, aber unglaublich vielfältigen und beeindruckenden Kurzurlaubs auf der Insel. Mit Sicherheit nicht der letzte! 

Auf baldiges Wiedersehen, Sylt!